In diesem Post geht es nicht um Rassismus gegen Schülerinnen und Schüler, sondern um Rassismus gegenüber Lehrkräften. Lehrpersonen sind stets bemüht, die interkulturelle Kompetenz der Schülerschaft zu stärken, sodass sich alle in der Schule willkommen fühlen. Doch wie ist es eigentlich, wenn nicht Kinder zum Opfer werden, sondern Lehrerinnen und Lehrer?

Meine neue Schule befindet sich in einer Kleinstadt im schönen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. MV gehörte lange Zeit zu einem der Bundesländer, in dem Rassismus zwar ein großes Problem war, doch es kaum ausländische Bewohnerinnen und Bewohner gab. Mit den Flüchtlingswellen wurde letzteres zwar verändert, doch Vorurteile und Fremdenhass scheinen fest verankert zu sein. Als Lehrerin werde ich jeden Tag selbst zum Opfer von rassistischen Äußerungen. Zwar weiß ich, wie ich reagieren kann -, doch es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Ich glaube nicht, dass das Problem mit einem Gespräch gelöst werden kann. Es geht an die Substanz.

„Haben Sie einen Akzent?“ „Kommen Sie aus Deutschland?“ „Sind Sie aus Russland?“ „Sie sehen so anders aus!“ Das sind Fragen und Bemerkungen, die leicht beantwortet werden können: Ich bin in Deutschland geboren. Deutsch ist meine Muttersprache. Ich habe einen deutschen Pass. Solche Unterrichtsgespräche belasten weder den Unterrichtsverlauf noch den Lernerfolg. Ich habe manchmal das Gefühl, meine Antworten sind nicht das, was die Schülerinnen und Schüler hören wollen. Doch warum sollte ich nicht die Wahrheit sagen?

An die Substanz geht es erst, wenn ich Kommentare höre wie „Polin“. Was soll das? Was ist darin schlimm? „Wir mögen keine Ausländer.“ „Hitler ist mein Vorbild.“ Spätestens da, wo ich weiß, dass die Äußerungen generell menschenverachtend sind und mit mir in Beziehung gesetzt werden, bin ich ohnmächtig. Würde das jemand zu mir privat sagen, wüsste ich genau wie ich reagiere. Doch als Erwachsene kann ich doch keinen jungen Menschen als Rassisten oder Nazi beschimpfen! Für mich selber habe ich bisher nur eine Lösung (ein Mantra, dass ich von Olexesh habe): „Ein echter Slawe beugt sich nie.“

Natürlich habe ich meine Schwierigkeit auch im Lehrerzimmer angesprochen. Meine Unterstellung, dass einige Schülerinnen und Schüler wohl ein Problem mit Ausländern hätten, wurde ignoriert. Doch selbst wenn man in Deutschland schon in der zweiten oder dritten Generation lebt, nimmt man Zwischentöne wahr. Ich habe diese wahrgenommen. Doch können Kinder eigentlich rassistisch sein? Ich möchte das nicht bejahen. Aber auch wenn meine Klassen keine Erfahrungen mit Ausländern haben, ist das keine Entschuldigung dafür, dass sie diesem prinzipell ablehnend gegenüber eingestellt sind.

Hier sind meine vier Richtlinien für das generelle Miteinander im Unterricht. Diese erwähne ich immer wieder (zu Beginn der Stunde, nach der Hälfte des Unterrichts und, wenn es scheint, als hätten die SuS‘ diese vergessen):

  1. Hör zu und folge den meinen Arbeitsanweisungen.
  2.  Melde dich bevor du sprichst oder deinen Platz verlässt.
  3. Lasse deine Hände und Füße bei dir.
  4. Respektiere deine Mitschülerinnen/Mitschüler und deine Lehrerin.

Bei allgemeinen ausländerfeindlichen Aussagen versuche ich sofort ein Gegenargument zu bieten. Hierfür sind die beispielsweise die Angebote der BPB hilfreich (z. B. „Was sage ich, wenn … Rassismus begegnen“). Außerdem frage ich die SuS, was genau sie meinen. Die Betonung liegt auf genau („Nenne ein konkretes Beispiel.“; „Beschreibe eine Situation aus deinem Leben.“), denn meist reden die SuS nur das nach, was sie irgendwo gehört haben.

 

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